Erding - Ljubljana - Miami

February 28, 2018

Streetart – Urban Art – Straßenkunst –

Wandmalerei – Muralismo

 

Streetart ist schon immer eine Kunstrichtung gewesen, die mich sehr fasziniert und begeistert hat. Nun habe ich in Erding zwei Häuser entdeckt, die ganzflächig bemalt sind und so schreibe ich als stolze Neu-Erdingerin einen kurzen Bericht über diese Kunstart und möchte natürlich auch den Künstler vorstellen, der Erding aus der Kategorie „nette kleine Stadt bei München – mit einer tollen Therme“ in die Kategorie „Erding – Kultur und Kunstvielfalt“ aufgewertet hat:

Mr. Woodland - Graffiti Artist, Graphic Designer and Illustrator

 

Mr. Woodland, im „normalen“ Leben Daniel Westermeier, wuchs in Erding auf und lebt heute noch dort. Mit 12 sprayte er sein erstes Graffiti. Er hat sich darauf spezialisiert, Charaktere und Figuren auf die Wände zu bringen und damit in die Städte zu integrieren. Mittlerweile kann man in ganz Europa Kunstwerke von ihm finden. Er selbst bezeichnet seine Art der Gestaltung als Kombination von Illustration, Surrealismus und Graphischer Elemente und er bevorzugt dabei sehr hohe und große Wände. Mr Woodland hat auch die Idee eines Kunstfestivals entwickelt: „ARTding“ in ERding. Ein Event, in dem hochkarätige Streetart-Künstler aus aller Welt ihr Können präsentieren. Die Planungen waren auch schon weit fortgeschritten, im Stadtrat genehmigt, aber leider liegt der Event momentan auf Eis – wie so oft aufgrund der unsicheren Finanzierung. Aber wie Künstler so sind – Mr Woodland hat das Projekt nicht aufgegeben, und das ist gut so!

Auf den unten angegebenen Websites kann man einen umfassenden Blick auf seine Arbeiten nehmen und sollte das auch tun – es lohnt sich auf jeden Fall.

Als Beispielfotos hier auch Fotos aus Miami und Ljubljana.

Erding – Ljubljana - Miami . Finde ich herrlich!!!

 

Streetart - Viele Begriffe, viele Varianten, viele Intentionen.

Eigentlich ist die Streetart dann doch genauso zu sehen, wie die „normale“ Malerei auf unterschiedlichsten Medien, sog. Tafelmalerei. Jedoch gibt es einen deutlichen Unterschied – die Gemälde auf Häuserwänden, Straßen, öffentlichen Bauwerken oder beispielsweise Stromkästen bleiben wo sie sind – außer, sie werden von dem Besitzer oder Betreiber übertüncht, entfernt, zerstört.

 

Die Streetart  in Form von Wandmalerei gibt es schon lange. Die Wandmalerei ist neben der Bildhauerei die älteste überlieferte Kulturleistung der Menschheit. Die berühmten Höhlenmalereien von Lascaux oder die Grabmalereien der alten Ägypter sind noch immer erhaltene Zeugen dieser alten Kulturen. In der ganzen Welt finden sich in jedoch nahezu allen Epochen Belege für Wandmalerei.

Laut Wikipedia leistete sich übrigens fast jeder Hausbesitzer im Römischen Reich, der einem gehobenen Stand angehörte, die Bemalung der Wände seines Hauses. So verbreitet wie hier war, jedenfalls gemessen an der Zahl der Einwohner, die Wandmalerei sonst nie wieder. Es muss eine großartige Zeit für die Künstler der damaligen Zeit gewesen sein.

 

Neu war dann der von den Mexikanern nach der Revolution in den 1920er Jahren zu politischen Zwecken genutzte Muralismo. Murales sind Wandmalereien mit nationalen, sozialkritischen und historischen Inhalten. Hauptwerkzeug ist der Pinsel, es werden aber auch andere Techniken wie zum Beispiel Sprühpistolen genutzt. Die meisten Murales sind jedoch in Fresko-Technik gemalt. Besonders bekannt war hierbei Diego Rivera, wohl auch, weil sein Leben so sehr mit der Malerin Frida Kahlo verknüpft war.  

Politische Propaganda mit Wandbildern gab es aber natürlich überall im Sozialismus, aber auch in Sardinien oder Nordirland.

Zwischen der Zeit des Jugenstils und den 1980er Jahren verlor die Wandmalerei an Bedeutung. Allerdings ebneten Künstler wie Keith Hering den Weg zu neuer Aufmerksamkeit in der Kunstszene. Die Marketingabteilungen der Unternehmen griffen dann auch die Möglichkeiten der großflächigen Werbung dankbar auf.

 

Anders als bei Graffiti geht es den meisten Künstlern in ihrem Schaffen jedoch nicht um das Markieren eines Reviers durch sogenannte „Tags“, sondern um die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen sozialen und politischen Themen und Inhalten im urbanen Raum. Und so arbeiteten die meisten Künstler anfangs anonym und durchaus subversiv. Sie benutzten  den öffentlichen Raum  - oder einen kleinen Teil davon -, sie gaben mit ihren Markierungen zu verstehen, dass die Stadt nicht nur denen gehört, die sie planen, kaufen oder für ihre Geschäfte nutzen. Sie machten gemalte Statements, die nicht immer als Kunst erkannt wurden.

 

Spätestens seit Banksy ist die Streetart jedoch aus der Schmuddelecke heraus gekommen. Mit seinen Statements zu Gesellschaft und Politik machte er diese Art Kunst salonfähig – nein, sogar galeriefähig.  Viele werfen ihm vor, dass er sich selbst untreu geworden sei, weil er nun auch auf „normale“ Medien malt. Diese Einstellung finde ich als Künstlerin sehr kleinkariert.

Warum dürfen wir Künstler uns nicht auch weiterentwickeln, wie jeder andere Mensch in seinem Leben auch???  Wir leben, wir erfahren, wir lernen, wir sind neugierig, wir sind rastlos, wir sind immer auf der Suche nach etwas, das uns überrascht oder begeistert oder fasziniert. Wer sich dann nicht weiterentwickelt, sollte uns skeptisch machen – und nicht umgekehrt.

 

Ich jedenfalls bin begeistert, dass die Städte doch immer öfter auf die Street-Art-Künstler zu- gehen und begreifen, dass sie damit auch für den aufgeschlossenen Kunstreisenden neue Anlaufpunkte schaffen und somit ja auch den Städterourismus ankurbeln.

Nähere Infos über diese wirklich spannende und vielseitige Kunstrichtung könnt ihr euch über die unten angegebenen Links verschaffen.

 

Hier die Seiten von Mr. Woodland:

http://misterwoodland.blogspot.de

https://www.instagram.com

https://www.facebook.com/mr.woodland81/

 

http://www.banksy.co.uk/     Banksy-Website – der übrigens weder auf facebook, noch auf allen anderen Sozialen Medien unterwegs ist…

 

http://www.graffitieuropa.org/streetart1.htm    Institut für Graffitiforschung Wien

https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/kulturjournal/street-art-scale-festival-100.html  Inte-ressanter Bericht über die Vermarktung der Streetart  und demzufolge evtl ihrem Untergang

http://www.positive-propaganda.org/  gemeinnütziger Kunstverein mit Sitz in München, der sich der Etablierung internationaler zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum / Street-Art widmet

https://hackenteer.com/      Website mit vielen Informationen rund um die Streetart

http://urbanshit.de/     Auch diese Hamburger Seite informiert umfassend

http://www.muenchen.de/sehenswuerdigkeiten/orte/1265055.html   Und hier der to-go-link für alle Kunstinteressierten aus der Umgebung München – nachdem ihr in Erding wart ;)

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Empfohlene Einträge
Aktuelle Einträge
Please reload

Archiv
Please reload

Schlagwörter
Please reload

Folgen Sie uns!
  • Facebook Basic Square
  • Twitter Basic Square
  • Google+ Basic Square